„Ich glaube, es ist nicht sinnvoll anzunehmen, dass man gegen den Trend dazugewinnen kann. Denn die Statistik spricht dagegen.“, fasst der Geschäftsführer der Löwenbrauerei Hall Fr. Erhard GmbH & Co. KG, Peter Theilacker, die Situation im Biermarkt zum Jahreswechsel zusammen. 2025 war nicht nur in seinen Augen ein desaströses Jahr – trotz guten Sommerwetters. Ein bundesdeutsches Bier-Minus von 6%, inklusive Exportanteil steht fest. Aktuelle Umfragen des Deutschen Brauerbundes belegen, dass es lange nicht so schlecht war. Immerhin: Biermischgetränke sind mit einem Plus von 8% besser gelaufen. Allerdings ist ihr Anteil am Markt relativ klein. Beides trifft auch auf die alkoholfreien Biere zu.
Im Fazit ist der Gesamtumsatz pro Kopf im Getränkemarkt weiter rückläufig, ob heiß oder kalt, ob alkoholisch oder alkoholfrei. Zum einen wird insgesamt weniger – auch Alkohol – getrunken. Kompensiert wird vermutlich mit Wasser aus der Leitung, dem Hahnenwasser. Zum anderen arbeitet wohl die demografische Entwicklung dagegen, vermutet Theilacker. „Die jüngeren Leute sind im Gesundheitstrend und hängen eher privat ab als auszugehen, die Älteren vertragen nicht mehr so viel und halten sich zurück.“ Unbestritten scheint wohl, dass die Menschen gleich welches Alters, weniger auf Feste und in Restaurants gehen. Das Geld ist knapper, es wird gespart.
Das ist kein leichtumzukehrender Trend“, sagt der erfahrene Leiter einer 300jährigen Familienbrauerei im schönen Schwäbisch Hall. Einziges Plus im Getränkesortiment verzeichneten – wie schon in den Vorjahren auch – in 2025 die Erfrischungsgetränke, was die Brauer den ‚Spezi-Effekt‘ nennen. Ansonsten verlieren sowohl Gaststätten als auch Getränkemärkte, ebenso wie der Fachgroßhandel, kontinuierlich Umsätze.
Für den Geschäftsführer der Haller Löwenbrauerei ist der Blick in die Gastronomie besonders schmerzlich, denn hier wird nach seiner Auffassung die Bierkultur zelebriert. „Sicher ist unser Vorteil, dass wir unseren Mineralbrunnen mit Mineralwässern, Schorlen und Limonaden haben, um gegenzusteuern. Darauf werden wir verstärkt den Fokus legen.“ Und immerhin macht das Sortiment des Tochterunternehmens ‚Haller Wildbadquelle‘ rund 60% des Gesamtabsatzes aus. Die Haller Brauer fühlen sich als regionaler Brunnen mit ausschließlich wiederverwendbaren Glasflaschen in verschiedenen Gebindegrößen sehr gut aufgestellt. „Es ist nur so, dass die Emotion, das Herz, immer etwas mehr fürs Bier schlägt,“ da ist er sicher. Gleichwohl sieht er hier auch einen wichtigen Ansatz: In der regionalen Verwurzelung und den Geschichten, die sich darum ranken. Ein zweiter tragfähiger Ansatz ist für ihn die Qualität. „Denn Bier ist nicht gleich Bier“, wie er mantraartig und sehr gern wiederholt. Für ihn wäre es ärgerlich, mit anderen ‚in einen Topf‘ geworfen zu werden.
Und da sind wir beim Thema Qualität und beim Slow Brewing. Es stellt, unter anderem, die gute Qualität über den Preis. Es stellt das Bier mit diesem Gütesiegel auf die Stufe eines Genussmittels mit Mehrwert und Freude am Produkt. Geschäftsführer Peter Theilacker gefällt besonders, dass das Siegel aus dem Produkt heraus entstand. Er ist Präsident des Vereins der ‚Slow Brewer, zu dem inzwischen 31 Mitgliedsbrauereien, plus Förderer sind es stattliche 93 Mitglieder, gehören. Er ist davon überzeugt, dass es für die Brauereien ein riesiger Vorteil ist, „wenn extern jemand drauf schaut“. Und das tut der Verein mit regelmäßigen Kontrollen und Audits. Überprüft werden nicht nur der Geschmack, sondern auch die Produktion. Beispielsweise der Rhythmus der Gärung, die Probenentnahmen, die Verfahrenstechnik und die Chargenrückverfolgung. Alles muss selbstverständlich lückenlos nachvollziehbar sein. Auch das Management wird unter die Lupe genommen – sei es das in Krisen, wie einer Rückrufaktion, oder im Umgang mit den Aspekten der Nachhaltigkeit.
Der regionale Brauer und Berufsoptimist, Peter Theilacker, fasst seine 25er Bilanz und vor allem seinen Ausblick auf 2026 so zusammen: „Der Markt wird sich bereinigen. Es ist wichtig, dass wir Brauer stolz auf unsere Zunft und auf unsere Biere sind!“ Nun, besser kann man es nicht sagen.